Ein Kommentar zu einem Kommentar

Hallo ihr Lieben,

gestern tauchte ein Beitrag in mehreren Feeds in Instagram auf, der verständlicher Weise auf große Empörung stieß. Es geht um den taz am Wochenende Artikel mit dem Titel „Enteignet die Kleingärtner“. Er beschäftigt sich mit dem Wohnraummangel in Großstädten, in diesem Fall Berlin. Leider ist dieser Artikel in seiner Art so unreflektiert, dass man sich fragen muss ‚Ist das ernstgemeint?‘. Bisher sieht es jedenfalls so aus.

An dieser Stelle folgt eine persönliche Meinung dazu. Mich macht dieser Artikel per se nicht wütend oder traurig, sondern eher fassungslos.

Für Berlin spricht man in dem Artikel von etwa 3% Stadtfläche. Leider ist nicht angegeben wie sich die restlichen 97% aufteilen. Aber sicher ist ein Großteil davon versiegelt, Straßen und Häuser oder Flughafenrollfelder. Jetzt kann man von Kleingärten an sich ja halten was man will und ja manchmal geht es dort auch spießig zu, ja und ich hasse es ebenso. Nichts desto trotz handelt es sich um einen wertvollen Lebensraum und Rückzugsort für Mensch und Tier.

Es wird immer wieder darauf hingewiesen, der Mensch könne doch in dem Park gehen. Sich dort auf einer kargen Grasebene entspannen, dabei den Blick auf die Skyline Berlins genießen, während alle fünf Minuten jemand über die Picknickdecke trampelt. Nunja ähnlich einfältig gedacht wie in diesem Artikel beschrieben. (Definitiv bieten platt gelegene getrimmte Rasenflächen keinen Lebensraum oder Nahrungsangebot für Tiere!)

Worum es aber tatsächlich geht ist, die völlige Ablehnung dieser Kleingartenkultur. Sie wäre egoistisch und nicht mehr zeitgemäß. Ist es nicht ebenso egoistisch zu erwarten, es gäbe ein Anrecht darauf in der Stadt genau in diesem Viertel zu wohnen. Denn tatsächlich gibt es doch Deutschlandweit ein Verteilungsproblem. Warum das so ist und wie man dem begegnet ist nicht meine Aufgabe. Wer jedoch mit kapitalistisch anmutenden Ideen um sich wirft, sollte auch immer bedenken, dass der derzeitige Zustand eben diesen Marktmechanismen folgt, denn Preis regelt die Nachfrage. Aber auch das nur eine steile These am Rande.

Es geht an dieser Stelle vielmehr darum den Neid und die Missgunst einmal zu akzeptieren und wiederum mit Aufklärung an die Toleranz zu appelieren. Ich denke Kleingärten leisten einen wichtigen Beitrag zum Stadtklima und der Erhaltung von Lebensräumen für Insekten und andere Lebewesen. Dass nicht jeder Gärtner sich daran hält, muss durch die Vereine selbst gelöst werden durch Unterstützung und Aufklärung. Und nur weil Urban Gardening gerade Mode ist, heißt es nicht es wäre sinnvoll. Was auch immer es genau umfasst. Betrachtet man aber die genannten Dachgärten-Vorschläge dann möchte ich doch den Nutzen stark bezweifelt. Der Einsatz von Wasser ist dort sicher eines der Hauptprobleme. Technologisch sicher nicht unlösbar. Vergleiche ich meine Balkonkästen mit meinem Staudenbeet im Garten, naja dann ist die Rechnung einfach. Mittlerweile sind diese nämlich karge Wüste weil ich nicht jeden Tag mehrere Liter Wasser hineinversenke. Der Staudengarten ist an den dichten Stellen Selbstversorger. In der letzten Woche musste ich einmal ein Kännchen Regenwasser verteilen, but that’s it. Dort tummeln sich immer wieder hunderte Insekten und einige Eidechsen.

Lieber Herr Wrusch, sie müssen ja kein Gartenmensch werden aber ich hätte von Ihnen mehr Toleranz und Auseinandersetzung erwartet. 1.5 Stunden Linsen aussortieren oder Unkraut zupfen klingt auf den ersten Blick nicht sehr spaßig aber ist für Körper und Geist pure Entspannung. Unsere Gesellschaft braucht Humankapital, wir haben keine großen Rohstoff Reserven. Jeder qm Grün sollte gerettet werden, auch wenn sein Beitrag für den Arten- und Klimaschutz noch so gering ist. Er ist ein Beitrag.

Ich bin 29 Jahre alt, aus Leipzig und sicher nicht spießig oder versnobt. Mein Garten kostet pro Jahr 1€ der qm. Und ja es ist sehr traurig, dass es immer noch Menschen gibt, die sich das nicht leisten können aber von Luxus kann man auch nicht reden. Mit 173qm Parzelle sicher einer der kleinsten Gärten und ja in großen Anlagen, sollte man über Nachverdichtung sprechen um mehr Menschen Zugang dazu zu geben.

Ich könnte hier noch ewig weiterschreiben aber das führt zu weit. Achso und Deutschlandfahnen habe ich bei mir noch nicht entdeckt, werde aber stehts wachsam sein.

Viele Grüße eure Elisa von rienmakaefer.

4 Kommentare zu „Ein Kommentar zu einem Kommentar“

  1. Hallo Elisa, sehr schön das du den Betrag der taz auf deinem Blog kommentiert hast. Mich hat es auch sehr wütend gemacht. Wir haben in Hannover um unsere Kleingärten gekämpft und zum Glück gewonnen. Der Trend zum Kleingarten ist wieder gestiegen. Aber leider ist der Autor auch aus einer anderen Zeit. Liebe Grüße Sandra von Sandras Gartenwelt

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    1. Danke dir Sandra. Ja man muss es ja nicht selbst machen um es zu tolerieren, ist das nicht der Kern dieses Konzepts?
      Naja ich nehm es mit Humor, ist eine Meinung. Sicher keine Einzelmeinung aber wir werden standhaft bleiben.
      Viele Grüße Elisa

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  2. Ich habe den Artikel auch gelesen und halte ihn für sehr provokant! Ich habe mir auch schon überlegt, ob das wirklich Ernst gemeint sein soll. Manches mag vielleicht stimmen, aber im Großen und Ganzen geht solch ein Artikel gar nicht. Es werden sowieso schon so viele Kleingärten zugunsten nicht gerade toller Bauten platt gemacht! Das kann es wohl auch nicht sein!
    Viele Grüße von
    Margit

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Margit, ich hoffe auch das es sich um eine Einzelmeinung handelt. Ich finde man muss dem gleich entgegensetzen sonst kommen da noch mehr Leute auf so eine Idee.
      Viele Grüße Elisa

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